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Bombenfund in Mainz-Weisenau

30.11.2014 Einsatz für unsere Schnelleinsatzgruppe.

Im Rahmen von Bauarbeiten in Mainz-Weisenau im Bereich Fort Weisenau wurde im Erdreich eine 1000-Pfund-Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg gefunden. Der sofort informierte Kampfmittelräumdienst Trier, die Polizei sowie das Rechts- und Ordnungsamt / Bevölkerungsschutz, sichteten den Bombenfund und entschieden, dass eine Entschärfung des gut zugänglichen Blindgängers erfolgen muss.

Am Sonntag, 30. November 2014 wurde dann der betroffene Bereich evakuiert und die Bombe gegen 12.00 Uhr entschärft. Die Evakuierungsmaßnahmen begannen aufgrund der weiten Ausdehnung des Bereiches früh morgens – die Bevölkerung musste die Wohnungen bis spätestens 09:00 Uhr verlassen haben!

Die Anwohnerinnen und Anwohner (die mit einem detaillierten Flugblatt informiert wurden) die im Umkreis des Fundortes im Radius von 1000 Metern wurden aufgefordert, ihre Wohnungen zu diesem Zeitpunkt zu verlassen. Betroffen waren mehrere hundert Wohnobjekte und geschätzt etwa 8.500 Bewohner, die am Sonntag aufgefordert waren, ihre Wohnungen bis spätestens 09:00 Uhr aus Sicherheitsgründen zu verlassen. Die Entschärfung konnte erst dann erfolgen, wenn mit Sicherheit fest stand, dass sich in dem möglicherweise betroffenen Gebiet keine Personen mehr aufhalten!

Auch der Zug- und S-Bahn-Verkehr auf den angrenzenden Schienensträngen wurde während der Bombenentschärfung unterbrochen. Zugleich kam es auch auf dem Wasserweg Rhein zu einer Zwangspause für die Schiffer, um auch dortige Gefährdungen zu minimieren.

Schon früh morgens war unsere Schnelleinsatzgruppe mit den Evakuierungsmaßnahmen in dem genannten Bereich eingebunden. Zusammen mit Polizei, Ordnungsamt, Bevölkerungsschutz und Feuerwehr wurden zuvor die betroffenen Wohnungen und  Wohnhäuser im Evakuierungsgebiet überprüft. Der Bevölkerungsschutz hatte zudem über Lautsprecher-Durchsagen auf die zeitweilige Evakuierung hinweisen und zum Verlassen der Wohnungen bis 09:00 Uhr aufgefordert. Es waren rund 170 Kräfte der Polizei, 70 der Feuerwehr, 40 des THW sowie 120 Kolleginnen und Kollegen der Sanitätsdienste im Einsatz.

Für Personen, die für die Zeit der Evakuierung eine Anlaufstelle suchten und kein Fahrzeug zur Verfügung haben, standen Busse der MVG bereit, um die Anwohner des Evakuierungsbereiches aufzunehmen.  Als Aufenthaltsbereich stand die „Gustav-Stresemann-Wirtschaftsschule“ (Hechtsheimer Straße 31) zur Verfügung. Im Altenheim an der Göttelmannstraße Hochbetrieb, mussten doch die 123 Bewohner auf das Verlassen ihrer gewohnten Umgebung vorbereitet werden. Wer mobil war konnte den Tag selbst planen, andere wurden von der Familie abgeholt, während die Senioren mit Pflegestufe 3 und Härtefälle in andere Einrichtungen gebracht wurden. Den Helfern des Heimes und der Hilfsorganisationen verlangt das viel ab, waren doch manche ihrer Schützlinge nicht mehr orientiert und reagieren auf jede Änderung sehr sensibel.

Kranken- und Transportwagen fuhren etwa 80 Senioren die kurze Strecke hinüber in die Hechtsheimer Straße zur Sammelunterkunft Gustav-Stresemann-Wirtschaftsschule, wo sich engagierte Mitarbeiter der Sanitätsdienste und unsere Schnelleinsatzgruppe weiter um sie kümmerten. Manche der älteren Menschen fangen von sich aus an zu erzählen von der schweren Zeit vor 70 Jahren, die jetzt plötzlich wieder so präsent ist, von den Tagen und Nächten, als die Bomben auf Mainz fielen. Andere bleiben stumm und betrachten nachdenklich den hübsch geschmückten Weihnachtsbaum in der Mitte der Schulaula.

Um 12.30 Uhr hatte bekam der Kampfmittelräumdienst für die entscheidende Phase grünes Licht. Alle Einsatz- und Organisationsleiter von Polizei, Stadt, Rettungsdiensten hatten das Gebiet als frei gemeldet. Deutsche Flugsicherung, Bahn und Schiffsführer waren informiert, die Straßen gesperrt. Dank der Mitarbeiter des Kampfmittelräumdienstes konnte die Bombe dann entschärft werden. Die Entschärfung der Fliegerbomben war eine der größten, wenn nicht sogar die größte Evakuierungsaktion der Nachkriegszeit in Mainz.

Unsere Schnelleinsatzgruppe war nach dem Einsatz dann noch bis zu den späten Abendstunden aktiv um die Einsatzfähigkeit der Gruppe wieder herzustellen.

30. November 2014 07:46 Uhr. Alter: 3 Jahre